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2. Herren

2. Herren Spielbericht: TuS Syke – TuS Bothfeld

Und der Oscar geht an …
die Mannschaft der Syke Beers für ihre Achterbahnfahrt der Gefühle im vierteiligen Sportdokumentationsdrama „Fünf gegen Willi – letzte Ausfahrt Bothfeld“. Die insgesamt 40-minütige Stummdoku über das letzte Aufbäumen einer ausgebrannten Syker Thekenmannschaft gegen den Abstieg in die Bezirksklasse West, nach Vorbild des eher blassen „the Artist“ von Michel Hazanavicius, überzeugte das Publikum schlussendlich durch die unzähligen emotionalen Umbrüche und das tränenreiche Finale, als die Truppe um Spielertrainer Marc-Alexander Böwe mit einem 66:51 Heimsieg kein Zuschauerauge mehr trocken ließ.

Der vierteilige Film noir beginnt furious und steigt direkt in das Spielgeschehen zwischen den Hauptakteuren der Syke Beers und der Gästetruppe aus Bothfeld ein und überspielt dabei geschickt die später greifbare Nervosität der Beers. Nach einem 25:10 Zwischenstand fühlt sich der Zuschauer bereits in einem zufriedenem Konsens aus Antrieb und Erfolg sicher aufgehoben und jegliche Problematiken der damaligen Gesamtsituation erschienen weltfremd und nicht der Realität entsprungen.

Selbst der zweite Teil der Dokumentation offenbarte nur wenige Bruchstellen im sportlichen und/oder menschlichen Bereich der Hauptfiguren. Als Zuschauer hätte man bis zu diesem Zeitpunkt das Auftreten der Akteure als sportlich ambitioniert und stark zielorientiert beschrieben. Man hätte zudem die lückenlose Verteidigung und das schnelle Umschalten dieser in den Angriff, stilvoll visualisiert durch den hervorragenden Filmschnitt, gelobt und angepriesen, jedoch bei einem Halbzeitstand von 37:17 auch als stark einseitig dargestellt.

Klare Stärken offenbart das Erstlingswerk des Regisseurs im dritten Teil der Tetralogie durch das Beimischen von menschlichem Zweifel und Versagen und dem konsequentem Aufbäumen des bothfelder Underdogs. Sukzessiv überzeugte nun der Gast aus Hannover mit seiner schnellen Spielweise, während die Gastgeber sich zu sehr in Einzelaktionen verstrickten. Der Film zeigt hier deutlich, wie und wann sich eine gewisse Überheblichkeit entwickelt und wie diese ein Nährboden sein kann, um eine ganze Basketballsaison in den Abgrund zu reißen. Vor Beginn des Schlussaktes führten die Beers nur noch mit lediglich zehn Punkten und die Bühne für ein spannendes Finale war gemacht.

Prunkvoll werden die beiden Mannschaften in den letzten Minuten des Films als schwankene Boxer dargestellt, welche versuchen durch gegenseitige Treffer den Gegner Schritt für Schritt zu Boden zu ringen. Der Film ergreift in diesem Abschnitt jedoch überraschend schnell Partei und unterscheidet vorzeitig zwischen Gut und Böse. Während die Syker immer wieder aus der Distanz zu punkten kommen können, wird den Bothfeldern das Tor zur Glückseligkeit schnell vor den Augen zugeknallt. Der Film überzeugt in diesen Szenen durch bildgewaltige Minuten und Emotionen vom allerfeinsten. Nach 40 Filmminuten erlebt der Zuschauer den Abspann, inklusive des 66:51 Endergebnisses für die gastgebenden Syke Beers, in einem Mix aus Zufrieden- und Gerechtigkeit. Was für ein Erlebnis.

Das Ende des Films und der damit verbundene radikale Abschnitt vor dem Saisonende der zentralen Mannschaft ist ein deutlicher Fingerzeig darauf, das ein Nachfolger lediglich eine Frage der Zeit ist. Der Rubel rollt und wo der Profit stimmt, wird gedreht. Das dabei die Qualität oftmals mehr zu Wünschen übrig lässt, als ein Flaschengeist, interessiert im Mekka der Filmindustrie niemanden. Als Zuschauer kann man nur auf ein Happy-End um die Truppe der Beers hoffen.

Credits: Stubbemann 28 Punkte (6 Dreier, 6/8 Freiwürfe), Bomhoff 8, Hamelmann 8, Bobrink 6, Franke 4 (0/1), Hespe 4, Kretschmar 4, Böwe 2, Hansefrau 2, Cholid, Speckmann.

Christian