1. Herren Spielbericht: TV Bergkrug – TuS Syke

Den Mythos des körperlosen Spiels überstrapaziert | Basketballer des TuS Syke lassen sämtliche Grundlagen vermissen und werden in Bergkrug phasenweise vorgeführt – 57:95

Als Patrick Weseloh auf der Weihnachtsfeier der Basketballer des TuS Syke erschien, bekam er von den 60 Gästen ein Geburtstagsständchen. Doch das war auch schon das einzig Positive, das er an diesem Tag erlebte. Ansonsten war nämlich fast alles in die Hose gegangen – wobei die beinahe schon unglaubliche 57:95 (26:47)-Niederlage seines Teams beim TV Bergkrug noch das geringste Übel war.

Patrick Weseloh war auch körperlich deutlich lädiert. Die rechte Hand war bandagiert, weil ihm ein Tropf gelegt worden war, als ihm die linke Schulter unter Narkose wieder eingerenkt werden musste. Der Arm war unter der Trainingsjacke bandagiert und fixiert – die Folge eines Zusammenpralls mit einem gegnerischen Spieler. Doch Weselohs notgedrungener Ausfall im [zweiten] Viertel war kein Grund für die Syker Pleite – ebenso wenig wie das Fehlen von Janis Neufeld. Denn Trainer Paul Bärwald schöpfte sonst aus dem Vollen. Vielmehr war sein Team, abgesehen von Markus Finke, völlig von der Rolle. „Es war genau wie letzte Woche, nur dass wir diesmal in Stadthagen und nicht in Hannover gespielt haben“, zürnte der Coach. Die Syker leisteten sich vor allem in der Abwehr erneut Fehler um Fehler. Vermutlich muss Bärwald das in der Halle hängende Plakat mit der Aufschrift „Keine Defense – kein Gesicht“ einfach noch größer drucken.

Dabei war der TuS optimistisch auf die Reise gegangen, denn das Hinspiel hatten die Korbjäger noch mit 75:66 für sich entschieden. Letztlich war das damals aber nur einer der beiden Saisonsiege, und weil das zu wenig ist, überwintern die Syke Bears auf dem letzten Rang. „Die Liga ist so ausgeglichen. Wenn man da nicht dran ist, gibt es halt eine Niederlage“, resümierte Paul Bärwald. In der Offensive gab es reihenweise Fehlwürfe, keinen Spielaufbau, taktische Mängel und zu wenig Kampf – die Gründe fürs Scheitern waren vielfältig. Bezeichnend waren gleich zwei Randerscheinungen: Von den acht eingesetzten Bergkrugern erzielten gleich sieben eine Punktezahl im zweistelligen Bereich. Außerdem bekamen die Gäste in Person von Sebastian Heuer (blutende Lippe) und Markus Finke (Blessur am Auge) ordentlich etwas ab. Schwere Fouls lagen diesen Aktionen aber nicht zugrunde, sondern ein körperbetontes Auftreten des TVB. „Und Bergkrug konnte übers Feld stolzieren wie Models über den Laufsteg“, ätzte Bärwald.

Gelaufen war die Partie praktisch nach dem ersten Viertel, das die Gastgeber mit 28:12 gewonnen hatten. „Dabei haben sie sich in der Anfangsphase gleich drei taktische Fouls geleistet. Da hätten wir ansetzen müssen“, haderte Sykes Trainer, der in der Schlussphase zusehen musste, wie sein Team allenfalls verbal in Erscheinung trat und technische Fouls kassierte.

© Syker Kurier, 21.12.2011 (Karsten Bödeker)