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2. Herren

2. Herren Spielbericht: TuS Syke – TKW Nienburg

Niederlage gegen den Spitzenreiter | Das Leben als Spitzenreiter ist in allen Lebenslagen kein einfaches. Keiner mag einen, es gibt mehr Neider als Befürworter und generell ist jeder auf seinen Posten scharf. Eine solche Situation kann oftmals böse enden. Die kürzliche Geschichte hat dies mehr als offenkundig dargelegt. Während Libyens Machthaber Gaddafi seine komfortable Führungsposition mit reichlich Kopfschmerzen vorerst in einer überdimensionierten Tiefkühltruhe verbringen musste, wird Italiens ehemalige Führungskraft Berlusconi nur noch im Rotlichtmilieu den Ton angeben. Selbst Griechenlands Insolvenzverwalter numero ouzo, George Papandreou, musste kürzlich seinen Posten räumen.

Ungleich ungenierter lebt es sich dagegen als Verfolger bzw. Jäger. Keiner hat einen wirklich auf der Rechnung und als „Pöbel“ der Liga bestreitet man Spiel für Spiel ohne äußerliche Zwänge oder überzogene Erwartungshaltungen. Vor dem Spiel der Herrenvertretung der Syker Basketballer sollte genau diese Grundsituation den gastgebenden Hachestädtern den entscheidenden Auftrieb geben, um den derzeitigen Spitzenreiter der Bezirksliga Nord, den TKW Nienburg, in eigener Halle zu Fall zu bringen. Lange Rede, wenig Sinn – irgendwie hatten wir uns das anders vorgestellt. Nach 40 wenig überzeugenden Spielminuten ging die Partie am Ende verdient mit 80:67 an die sympathischen Gäste aus Nienburg. Wie es dazu kam, soll natürlich nicht unerwähnt bleiben.

Bereits im Vorfeld der Begegnung musste Spielertrainer Marc-Alexander Böwe die ein oder andere Hiobsbotschaft verdauen. Während er sowohl verletzungs- als auch privatbedingt auf die Akteure Jan Cholid, Thorben Hamelmann, Marcel Pflug, Julian Franke und Claas Sander verzichten musste, hatten die Flügelspieler Björn Hansemann und Christian Stubbemann noch bis 15 Minuten vor Spielbeginn auf einem nahegelegenen Fussballplatz zu kämpfen und schafften es nur noch mit konditionellen Defiziten in die Syker Halle. Dennoch lies sich der Trainer der Heimmannschaft nicht entmutigen und stellte die eigene Truppe aggressiv auf die kommenden Minuten ein.

Defensiv begann man mit einer, am eigenen Taktikbrett entworfenen, 3-1-Zone zuzüglich Mann-Mann-Verteidigung gegen den Nienburger Topscorer Andreas Rabe. Dies sollte sich frühzeitig bezahlt machen. Während die Würfe in der Offensive von den laternenähnlichen Innenspielern der Gäste immer wieder geblockt wurden, wusste wenigstens die eigene Defensive zu überzeugen. Der Spitzenreiter und Mitfavorit aus Nienburg wusste mit der Defensivformation der Beers nicht wirklich etwas anzufangen und somit plätscherte das Spiel lange Zeit vor sich hin und die Gastgeber gingen mit einem 11:12 Rückstand in die erste Viertelpause.

Merklich turbulenter wurde der zweite Spielabschnitt. Während der eigene Angriff nun immer mehr ins Stocken geriet, wurde leider oftmals auch in der Defensive gepatzt. Den Gästen wurden immer wieder zweite Wurfchancen ermöglicht und Flügelspieler Brian Bäck wurde erst gar nicht verteidigt. Die Defizite in der eigenen Spielanlage, mangelnde Spielsysteme und fehlende Defensivrotationen, wurden nun immer deutlicher zu Tage gebracht. Völlig verdient und folgerichtig setzte sich nun der Tabellenführer zur Halbzeit auf 25:34 ab.

Sollte es seit gefühlten Jahren die erste Heimpleite werden? Würden die Beers es zulassen, das ihr bärenstarker (bierstarker) Heimnimbus seine Gültigkeit verliert?

Das dritte Viertel lies da keine zwei Meinungen zu. Die eigene Leistung wankte zwischen katastrophal bis erbärmlich, während die Gäste aus Nienburg selbst mit angezogener Handbremse drei Gänge zu hoch agierten für die schwachen Syker. Punkt um Punkt bauten die Spitzenreiter ihre Führung aus, während sich die Gastgeber immer wieder in Einzelaktionen verstrickten. Spielertrainer Marc-Alexander Böwe war in dieser Phase keineswegs zu beneiden. Lediglich einem kleinen Zwischenspurt war es zu verdanken, das die Hachestädter nur mit einer zwölf Punkte Differenz in die Spielpause gingen. Eine Vorentscheidung? Nein.

Verblüfft und verblendet von den eigenen Möglichkeiten kämpften sich die Syker wieder in das Spiel zurück und acht Minuten und zehn Stubbemann- und zwei Hansemann-Punkte später war der Spielstand urplötzlich egalisiert. Perplex von dieser, in dieser Form nicht für möglich gehaltenen, Aufholjagd nahmen die Gäste erst einmal eine Auszeit. Das Momentum lag nun klar auf Seiten der Beers und mit breit erhobener Brust kamen diese auch aus der Auszeit, um seit langer Zeit mal wieder die Führung zu übernehmen. Doch was passierte? Nada. Stattdessen verfiel man wiederum in alte Verhaltensmuster – stocksteife Verteidigung und unstrukturierte Offense. Ein klassisches Erfolgsrezept um nahezu jedem Gegner zu unterlegen. Nienburg konnte dieses Geschenk natürlich nicht ausschlagen und wenige Minuten später feierten sie einen am Ende verdienten 80:67 Auswärtserfolg.

Schlussendlich muss man sagen, das eine solche Leistung der Liga nicht würdig ist – was in dieser Thekenliga natürlich bereits eine Aussage ist. Im Angriff wurde der Fokus zu sehr auf 1-gegen-1 Situationen gelegt und in der Verteidigung passten weder die Rotationen, noch das Ausblocken der Gegenspieler. Einzig und allein die Tatsache, das man keine Punkte gegen direkte Abstiegskonkurrenten liegen gelassen hat, kann die Beers erfreuen.

Geschlossen wird dieser Bericht, mal wieder, mit einem Zitat: „Heb‘ den Kopf, wenn der Hals auch dreckig is‘.“

Punkteverteilung: Stubbemann 25 (5/7, 2), Böwe 10, Shtanaj 9 (1), Bobrink 8, Hansemann 7 (1), Döpkens 4 (2/2), Hespe 2, Kretschmar 2, Speckmann

(Christian)