2. Herren Spielbericht: SC Langenhagen – TuS Syke

Meister 2011 – Balls of Steel
Was für eine Saison. Was für ein letztes Spiel. Was für ein Ende. Was für eine Mannschaft. In diesem Bericht gibt es, nicht ganz unüberraschend, sehr viel aufzuarbeiten. Um dabei nicht gänzlich die Übersicht zu verlieren, fangen wir mal wieder ganz vorne an.

Die Ausgangsposition vor dem letzten Saisonspiel beim gastgebenden SC Langenhagen war klar definiert. Bereits im Vorfeld der Begegnung standen beide Mannschaften als designierte Aufsteiger in die Bezirksliga fest. Worum ging es also noch? Um die Meisterschaft. Mögliche Rechenspiele mit diversen Quervergleichen oder ähnliches konnten in das Reich der Fabeln verbannt werden – the winner takes it all, sprich wer gewinnt, hat die Meisterschaft sicher.

Bevor es nun an dieser Stelle aber direkt zum eigentlichen Spiel geht, erlaube ich mir einen kleinen Seitenhieb in Richtung der Christlichen vom CVJM Hannover. Diese haben es nun zum wiederholten male nicht auf die Reihe bekommen, zwei Schiedsrichter zu stellen und somit muss man sich auf Seiten der Syker bedanken, das zwei Akteure des Gastgebers die Rolle der Schiedsrichter bekleideten. Meine Frage aber: Was kann daran so verdammt nochmal schwer sein, pünktlich und zuverlässig zu einem Spiel zu erscheinen, wenn die Ansetzungen klar definiert sind? Liebe Christlichen, hätte Noah seine Arche mit eurer Zuverlässigkeit zusammen geschustert, wäre das Ding nach zwei Minuten klanglos in den Fluten ersoffen und vermutlich hätten es eh nur zwei Tierarten auf das Schlauchboot geschafft. Gemessen an eurer „Leistung“ erscheint mir ebenfalls die Erschaffung der Erde innerhalb von nur sieben Tagen (oder Werktage?) vollkommen aussichtslos. Ich denke, das das eher ein Job über Jahre war – quasi aus einer Bierlaune heraus.

Dennoch möchten wir euch keineswegs im Regen stehen lassen, sondern werden zukünftig zu den Heim- und Auswärtsspielen einen Klingelbeutel rumgehen lassen und für einen Terminkalender plus Navigationssystem sparen. Ist dann zukünftig die Summe erreicht, werden wir euch die Gerätschaften in einer feierlichen Zeremonie überreichen und die Zuverlässigkeit hoch leben lassen.

Konzentrieren wir uns aber auf das Wesentliche. Die Syker mussten im Vorfeld der Begegnung leider sowohl den Traktor, Oliver Bobrink, in der Scheune lassen (silberne Hochzeit), als auch auf „30-und-sexy“ Jimmy Shtanaj (Arbeit) verzichten. Diese Leerstellen wurden aber atequat durch die Jungstars Thorben Hamelmann und Jan Cholid geschlossen.

Direkt zum Sprungball begonnen die Syker mit ihrer gewohnten 3-2-Zonenverteidigung und gerieten in einen offenen Schlagabtausch. Es wurde um jeden Zentimeter gekämpft und gekratzt. Einfache Punkte? Fehlanzeige. Während sich das Scoring auf Seiten der Gäste im ersten Viertel auf insgesamte sieben (!) Schultern verteilte, war es auf Seiten des SCL Marvin Oppermann, welcher mit insgesamt 10 Punkten innerhalb der ersten zehn Spielminuten zu glänzen wusste. Absetzen konnte sich in dieser Phase jedoch keine Mannschaft und so verwunderte es keinen, das die Nord-Hannoveraner mit einer kleinen 16 zu 15 Führung in die erste Viertelpause gingen.

Die Beers formierten sich nun neu. In der Verteidigung wurde die Altherren-Defense (2-1-2) aus dem Schrank geholt und offensiv wurde aus dem Leerlauf endlich in den ersten Gang geschaltet. Korbleger Döpkens, Korbleger Stubbemann, Dreier Stubbemann – 22 zu 16 für die Gäste. Auszeit Langenhagen. Durchatmen. Während nun die Syker leicht verschlafen aus der kurzen Pause kamen, waren die Gastgeber hellwach und konnte mit einem kleinen 5-0 Zwischenspurt die Differenz verkürzen. Die Syker liesen sich davon jedoch keineswegs verrückt machen und spielten weiterhin ihren Stiefel runter. Gepunktet wurde weiterhin von der gesamten Mannschaft und wenn sich defensiv mal ein kleines Loch in der Verteidigung bildete, war man sich auch nicht zu schade einfach mal die Bahnschranke auszupacken und die Langenhagener an die Freiwurflinie zu schicken. Überhaupt – die Freiwurflinie war während des gesamten Spiels ein entscheidender Faktor und am Ende verantwortlich für Sieg und Niederlage. In diese Phase versäumten es jedoch die Gastgeber von der Linie zu punkten und trafen zum Ende des Viertels lediglich einen von ihren acht Freiwürfen. Die Syker konnten damit natürlich deutlich besser leben und nutzten die Chancen um sich bis auf acht Punkte zur Halbzeit abzusetzen. Durchatmen.

Pausenführung. Noch 20 Minuten bis zum Titel?

Die Syker Devise stand felsenfest – hochkonzentriert aus der Pause kommen und den Hannoveranern direkt den Wind aus den Segel nehmen. Wie es lief? Sagen wir einmal suboptimal. In Zahlen? Langenhagen startete den Spielabschnitt mit einem 13 zu 2 Zwischenspurt und ging seinerseits verdient mit 39-36 in Führung. „Das hatten wir uns anders vorgestellt“ wäre untertrieben. Auszeit Syke. Sammeln. Spielertrainer Böwe appellierte nochmals an sein Team und motivierte jeden Akteur noch einmal bis auf die Haarspitzen und verdeutlichte, was alles auf dem Spiel stand. Die Beers fanden offensiv nun immer besser den freien Mitspieler und defensiv wurde der altbewährte Bärenbeton angerührt und auch die letzten Lücken verspachtelt. Schlussendlich endete das dritte Viertel mit einer knappen 51-50 Führung für die Syker.

Nun begannen sie. Die letzten zehn Minuten in einer langen und anstrengenen Basketballsaison. Der Aufstieg wurde zwar bereits im Vorfeld realisiert, aber im Endeffekt ist der zweite Tabellenplatz doch irgendwie, wie die eigene Schwester zu küssen (O-Ton Stephan Baeck). Die Syker sammelten sich somit ein letztes mal und betraten die Bretter, die die Welt bedeuten.

Um spannungstechnisch nochmal in den roten Bereich zu driften, schalten wir einmal den Liveticker dazu.

Viertelbeginn. Ball Langenhagen. Dieser wird gut bewegt und die Gastgeber finden den offenen Mann. 52-51 SCL. Verdammt. Syke bringt den Ball nach vorn. Herausragende Passstafette. Foul an Franke. Zwei Freiwürfe. Clank. Daneben. Clank. Wieder weg. Kann passieren. Mund abwischen, weiter gehts. Langenhagen im Vorfeld. Katastrophenpass. Ballbesitz Beers. Mitteldistanzwurf Franke. Sitzt. Führung Syke. Ball Langenhagen. Pass geht inside. Syke kann sich nur mit einem Foul helfen. Erster Freiwürf sitzt. Zweiter küsst den Ring und fällt raus. Syke dribbelt den Ball nach vorn. Turnover. Ahh. Hätte nicht sein müssen. Langenhagen macht es besser. Zwei mal Maximilian Doering und der SCL ist auf 57-53 enteilt. Auszeit Syke. Trainer Böwe findet die richtigen Worte. Beers mit Ballbesitz. Mitteldistanzwurf Sander. Nothing but net. 55-57. Langenhagen mit Fehlwurf. Rebound Syke. Wurftäuschung Döpkens. Kurzdistanzwurf. Versenkt. Ausgleich. Langenhagen wieder mit Wurfpech. Stubbemann zündet Turbo. Korbleger. 59-57 Führung Beers. Langenhagen mit guter Ballrotation. Dreierversuch. Drin. Verdammt. 60-59 für die Gastgeber. Ballbesitz Syke. Böwe stellt Block. Stubbemann nutzt diesen und netzt ein. Führung Syke. Langenhagen mit Schwierigkeiten in der Offensiv. Schrittfehler. Noch zwei Minuten Restspielzeit. Never change a winning team – Block Böwe, Pass Döpkens, Korbleger Stubbemann. 63-60 für Syke. Langenhagen bewegt wiederum den Ball, findet wieder den offenen Spieler. Dreierversuch. Drin. 63-63. Noch knapp über eine Minute Spielzeit. Syker versucht den freien Mann zu finden. Was kommt? Schrittfehler. Ärgerlich. Ballbesitz Langenlagen. Der Ball wird bewegt. Foul Syke. Erster Freiwurf. Daneben. Puh. Zweiter Freiwurf. Drin. 64-63 Langenhagen. Noch 35 Sekunden. Ballbesitz Syke. Schlechter Pass. Ballverlust. War es das? Langenhagen passt den Ball inside auf Doering. Drehung. Kurzdistanzwurf. Drin. 66:63 für den Gastgeber aus Hannover. Ball Syke. Kurze Passstafette. Foul Langenhagen. Noch keine Teamfouls. Einwurf Syke. Stubbemann fängt den Ball und zieht zum Korb. Foul. Noch 5,4 Sekunden auf der Uhr. Erster Freiwurf. Daneben! Zweiter Freiwurf drin. Nur noch zwei Punkte Rückstand. Einwurf Langenhagen an der Grundlinie. Syke steht stark in den Passlinien. Verzweiflungseinwurf Langenhagen. STEAL DÖPKENS. Ein kurzes Dribbling. Noch 3 Sekunden. Pass auf Stubbemann. Kurze Körpertauschung. Dann der Wurf. Sieht kurz aus. Dann der Schiedsrichterpfiff. FOUL. Stubbemann wurde beim Dreierversuch gefoult. Noch 0,4 Sekunden…

Syke mit zwei Punkten im Rückstand. Spielzeit quasi abgelaufen. Stubbemann an der Linie. Drei Freiwürfe. Die Ausgangslage ist klar. Trifft er keinen oder nur einen ist das Spiel verloren. Bei zwei Treffern winkt die Verlängerung und bei drei der absolute Exodus – die Meisterschaft. Die Bank der Beers kann sich kaum noch auf den Beinen halten. Kreisläufe kollabieren und zerbrechen. Stubbemann tritt an die Linie. Stille.

Erster Freiwurf….. Drin. 65-66. Jubel.

Zweiter Freiwurf….. Drin. 66-66. Verlängerung in der Tasche.

Dritter Freiwurf….. Ball ist lange in der Luft. Eine gefühlte Ewigkeit. Dennoch: ohne Ringberührung rieselt er durch die Seuse. 67-66 für die Gäste aus der Hachestadt.

Eine letzte Auszeit auf Seiten der Gastgeber aus Langenhagen brachte nicht mehr den gewünschten Erfolg und als dann auch die letzte Spielzeit von der Uhr strich, war die Stimmung im Lager der Syker wohl auch noch in der Heimat zu hören. Unbeschreiblicher Jubel. Jeder griff sich den erstbesten Mitspieler und lies ihn nicht mehr los. Meister! Was für eine Saison. Was für ein Abschluss. Was für eine Mannschaft!

Schlussendlich waren die Syker der verdiente Sieger einer sehenswerten Partie, die auch gut und gerne in eine andere Richtung hätte laufen können. Erfreulich auf Seiten der Syker war an erster Stelle der ständige und intensive Siegeswille und die gegenseitige Unterstützung. Individuell gebührt Centerspieler Julian Franke ein Sonderlob. Sowohl in der Verteidigung, als auch in der Offensive gehörte Franke zu den ständigen Aktivposten in der Begegnung und zeigte folgerichtig sein bestes Saisonspiel. Ein Lob ebenfalls an die Schiedsrichter. Obwohl diese von der Heimmannschaft gestellt wurden, waren sie stets unparteiisch. Das (richtig) gepfiffene Foul zum Spielende beschreibt dieses wohl am besten. Ein Lob ebenfalls an die starken Gastgeber. Wir sehen uns nächstes Jahr eine Liga höher, Kollegen!

Wie geht es nun weiter? Am Montag beginnt die Vorbereitung auf die kommende Bezirksligasaison. Erfolgstrainer Marc-Alexander Böwe hat bereits ein intensives Konditionstraining angekündigt, gekoppelt an diversen Kraftübungen und Sprintzirkeln.

So ein Blödsinn.

Wir „zocken“ nur ein bisschen. Wir sind halt „Beers“.

Punkte: Stubbemann 33 (7/9 Freiwürfe, 2 Dreier), Franke 12 (2/4), Böwe 5 (3/5), Sander 4, Döpkens 4 (0/4), Hamelmann 2, Pflug 2, Hespe 2, Cholid 2, Hansemann 1 (1/4), Speckmann